Herzogkante
Letzte Aktualisierung am von Markus Schmidt
Herzogkante im Karwendel: Klettern am Laliderer Falken
Die Herzogkante am Laliderer Falken gehört zu den bekanntesten Alpinklassikern im Karwendel. Wer die markante Kante durchsteigt, erlebt wilde Felsen, ein grandioses Panorama auf die Laliderer Wände. Doch Vorsicht: Die Tour ist kein Klettergarten, sondern eine alpine Unternehmung mit überschaubarer Absicherung und Karwendel-typischem Fels. Hier erfährst du alles zu Zustieg, Routenverlauf, Felsqualität und dem oft unterschätzten Abstieg.
Aber machen wir uns nichts vor: Die Herzogkante klettern hat wenig mit Klettergarten zu tun. Das ist eine alpine Tour im Karwendelfels. Es gibt losen Schotter, du musst selber sichern und der Abstieg zieht sich nochmal ordentlich.
PERSÖNLICHER TIPP
Wenn dir das zu anspruchsvoll erscheint, mach erst einmal eine Wanderung an die Laliderer Wände. Dann bekommst du einen Eindruck, ob das überhaupt etwas für dich ist. Hier die Details und wie du hinkommst – die Laliderer Wände.
Darum geht es auf dieser Seite:
Fels, Absicherung & Anspruch
Die Kletterei spielt sich meistens im IV. UIAA-Grad ab. An ein, zwei Stellen musst du kurz in den V. Grad greifen. Wer den fünften Grad in der Halle oder im Klettergarten klettert, kommt hier technisch gut durch. Das eigentliche Thema an der Kante ist das Gelände drumherum:
- Der Fels: Es gibt wirklich schöne, feste Meter. Aber wie fast überall im Karwendel liegen auf den Bändern immer wieder lose Steine. Passt auf, was ihr anfasst und wo ihr auftretet. Ein Steinschlaghelm ist für beide Pflicht.
- Die Absicherung: Erwartet keine glänzenden Bohrhakenketten. Die Standplätze sind meistens da (geschlagen oder gebohrt), aber dazwischen müsst ihr selber ran. Mobile Sicherungsmittel wie Cams, Klemmkeile und ein paar lange Bandschlingen für Felsköpfe gehören zwingend an den Gurt.
So kommst du an den Einstieg
Los geht’s am Parkplatz P3 im Rißtal, auf dem Weg zwischen Hinterriß und der Eng. Mein Tipp: Geh früh los. Wenn im Sommer um 10 Uhr die Sonne voll in den Hang knallt, ist der Latschen- und Geröllhang hoch zum Wandfuß einfach nur zäh.
Vom Parkplatz läufst du zuerst gemütlich über den Forstweg ins Tal. Danach geht es über unbeschilderte Steigspuren steil durch den Wald und über Geröllfelder hoch zur Wand. Nach knapp zwei Stunden stehst du unten am Einstieg.
So klettert sich die Herzogkante
- Die ersten Seillängen: Hier klettert ihr über gestuftes Felsgelände und leichte Rinnen (II bis III) hoch. Zieht zügig durch und passt auf, dass ihr keine Steine nach unten tretet, falls andere Seilschaften unter euch sind.
- Der Mittelteil: Hier wird der Fels spürbar fester und ihr kommt direkt an die Kante. Die Tiefblicke ins Tal werden mit jeder Seillänge besser. Die Kletterei ist ausgesetzt, hat aber wirklich gute Griffe und Tritte.
- Die Schlüsselstelle: Das ist ein steilerer Aufschwung bzw. Kamin im V. Grad. Wenn du entschlossen antrittst und sauber steigst, löst sich die Stelle aber gut auf.
- Gipfel: Danach flacht der Grat ab und du stehst oben. Das Panorama rüber zu den Laliderer Wänden ist einfach gewaltig.
Der Abstieg (Nicht unterschätzen!)
Ganz ehrlich: Der Herzogkante Abstieg nervt ein bisschen und fordert nochmal volle Konzentration. Wer denkt, oben sei die Tour vorbei, liegt falsch. Du steigst über den Normalweg ab. Das bedeutet: steile Pfadspuren, Schotter und felsige Stufen, wo du im I. und II. Grad abklettern musst. An den steilsten Wänden kann man abseilen. Wenn der Fels feucht ist oder im Frühsommer noch nasse Schneefelder in den Rinnen liegen, wird die Sache schnell rutschig. Lasst euch Zeit und bleibt aufmerksam.
Die Herzogkante auf einen Blick
| Kriterium | Details |
| Schwierigkeit (UIAA) | IV+ (Stellen V- / V je nach Variante) |
| Wandhöhe / Klettermeter | ca. 300–400 Klettermeter (ca. 10–12 Seillängen) |
| Zeitbedarf | Zustieg: ~2,5 Std. | Kletterei: ~3,5–5 Std. | Abstieg: ~2,5 Std. |
| Talort / Ausgangspunkt | Parkplatz P3 im Rißtal |
| Absicherung | Alpin; Standplätze großteils vorhanden (geschlagen/gebohrt), Zwischensicherungen müssen selbst gelegt werden |
| Beste Jahreszeit | Juni bis Oktober (trockener Fels zwingend erforderlich) |
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Die häufigsten Fragen
Die klettertechnischen Schwierigkeiten liegen überwiegend im IV. und V. UIAA-Grad. Durch den alpinen Charakter, die Orientierung im Fels und den schottrigen Abstieg liegt die Gesamtanforderung jedoch deutlich über einer vergleichbaren Route im Klettergarten.
Die besten Monate sind Juli bis September. Im Frühsommer (Mai/Juni) liegen oft noch Altschneefelder im Zustiegs-Kar und im Abstieg. Im Spätherbst werden die Tage kurz und schattige Passagen frieren schnell ab.

