Almabtrieb Eng

Der Almabtrieb von der Eng in Tirol auf die Binsalm im Karwendel
Almabtrieb Engalm: Es geht heimwärts für Bauer Martin aus Terfens im Karwendel
Die schwierige Stelle des Almabtrieb: Auf dem Lamsenjoch über den schmalen Steig zur Lamsenjochhütte
Bei der Stallenalm gibt es eine kurze Pause beim Almabtrieb in Tirol
Almabtrieb im Karwendelgebirge: Wie im Bilderbuch im Stallental
Bevor es ins Inntal in de Stall nach Hause geht wird aufgebüschelt
Jetzt kann es los gehen mit dem Almabtrieb nach Terfens ins Inntal

Einer der letzten klassischen Almabtriebe: Von der Eng ins Inntal
Ein Almabtrieb schaut für die meisten Besucher idyllisch und unkompliziert aus: Mit Blumen und Schmuck verzierte Kühe ziehen durch die Strassen. Es steckt aber weit mehr dahinter. Denn eigentlich bedeutet ein Almabtrieb, dass die Kühe am Ende des Sommers von der Alm zurück in ihren Stall für den Winter kommen. Früher war das eine oft weite und beschwerliche Wanderung für die Kühe. Heute ist dies in den meisten Fällen nicht mehr so. So werden die Kühe auf der Alm auf einen Viehtransporter verladen, um dann kurz vor dem heimatlichen Hof geschmückt zu werden. Die letzten Meter werden dann zu Fuß als Schauspiel für die Zuschauer abgehalten. Teils sogar mit Eintritt für die Zuschauer. Oder die Kühe kommen überhaupt gleich direkt in den winterlichen Stall, ohne geschmückt zu werden. Vielen Bauern ist der Aufwand des Schmückens zu groß geworden!

Traditioneller Almabtrieb im Karwendel
Es gibt nur noch vereinzelt echte Almabtriebe, wie sie früher gemacht wurden. Einer der letzten klassischen Almabtriebe in Tirol findet jährlich von der Engalm durch das Karwendelgebirge ins Inntal statt. Während viele andere Bauern der Almen im Karwendel den beschwerlichen langen Weg mit dem Viehtransporter abkürzen, geht der Nockbauer der Engalm mit seinen Kühen zu Fuß vom Naturdenkmal Ahornboden nach Hause.

Abenteuer Almabtrieb: Zwei Tage zu Fuß mit Kühen über die Berge
Zwei Tage dauert der Marsch, den der Vater Karl Höger mit seinem Sohn Martin auf sich nehmen. Die Route führt sie auf dem Weg der Karwendeltour von der Engalm hinauf zur Binsalm. Von dort noch weiter hinauf über das Lamsenjoch, hinüber zur Lamsenjochhütte und dann hinunter ins Inntal nach Terfens. Beim Almabtrieb sprechen die beiden nicht vom "gehen", sondern vom "fahren" - es wird mit den Tieren "heimgefahren", obwohl man zu Fuß die Kühe heim treibt. Die Bauersfamilie Höger "fährt" also auf dieser Route heim, wie es ihre Vorfahren schon vor hundert Jahren gemacht haben.

Karl Höger, der Seniorbauer hat diese Tradition von seinem Vater und Onkel übernommen. Sein Sohn wiederum übernimmt diese Form des traditionellen Almabtrieb. Er ist überhaupt gepackt vom Almfieber. Bei den Vorbereitungen für den Almabtrieb, packt ihn Wehmut - er zählt schon wieder die Tage, bis er im nächsten Sommer wieder mit den Kühen auf die Alm zurückkommt: "230 Tage sind es noch", erzählt Martin Höger.

Was muss vor dem Almabtrieb alles getan werden?
Aber nun müssen erst einmal die Vorbereitungen für das "Ausfahren", also die Heimkehr von Alm getroffen werden. Er hat schliesslich die gesamten 3 Sommermonate auf der Engalm verbracht. Somit müssen nicht nur die Kühe heimgetrieben werden, es muss der gesamte Hausstand mitgenommen werden. Dazu gehört zum Beispiel auch die Musikanlage im Stall. Im Frühjahr wurden die Lautsprecherkabel durch den gesamten Stall verlegt, jetzt im Herbst werden sie wieder eingepackt.

Martin meint "sonst geben die Kühe keine Milch". Wie musikalisch die Kühe wirklich sind, bleibt offen. Auch Martin wird die morgendliche Musik auch brauchen, steht er doch im Sommer jeden Tag zwischen 4.00 Uhr und 5.00 Uhr im Stall beim Melken. Da hilft eine flotte Melodie ungemein. Nach dem letzten Melken der Saison, müssen noch weitere Dinge zusammengepackt werden: Teile der Melkanlage kommen ebenso mit, wie die Namensschilder der Kühe, die den jeweiligen Standplatz der Kuh im Stall anzeigt.

Die letzte Almnacht in der Eng feiern
Die letzte Nacht auf der Alm ist eine Besondere. Karl und Martin Höger sind sich sicher, daß die Kühe merken, daß es heimgeht. Aber auch die Bauern und ihre Helfer verbringen den letzten Abend anders als sonst. Es wird in der Rasthütte der Engalm gegessen und getrunken. So manche lustigen Geschichten der letzten Jahre werden erzählt. Ein Schnapserl und Bier gehört natürlich auch dazu. Musik darf auch nicht fehlen und so spielt der Martin mit seiner Zieher (Zieharmonika) auf. Im Gegensatz zu den sonstigen Abenden auf der Engalm wird heute länger wach geblieben.

Los geht´s: Mit den Kühen auf das Lamsenjoch
Nach einer kurzen Nacht heisst es dann wieder früh Aufstehen. Die Kühe werden ein letzes Mal gemolken und los geht´s. Laut schallen die Kuhglocken zwischen den Hütten der Engalm. Unter der Beobachtung des Almbewohner und der Besucher geht es um 8.00 Uhr los. Schnell laufen die Kühe den Weg aus der Engalm hinauf zur Binsalm. Die Wirtin Margit bringt zur Begrüßung einen Schnaps für den Bauern und seine Helfer. Danach geht es ein bisschen langsamer, aber nicht wegen dem Schnaps, sondern weil es steiler wird und die Kühe auf den grünen Wiesenflächen langsamer gehen.

Auf dem Weg zum Lamsenjoch kommt die Sonne heraus und der Blick zum Hohljoch, den Lalidererwänden und der Lalidererhochalm ist fantastisch. Nun beginnt der schwierigste Teil des Almabtriebs, vom westlichen zum östlichen Lamsenjoch. Es ist nicht ungefährlich über das Joch zu gehen: Der Wanderweg ist an vielen Stellen sehr schmal und auch gefährlich. Wer über den Weg hinauskommt, stürzt in die steilen Wände des Lamsenjoch. Nachdem die Kühe am Rand des Wegs gehen ist hier die Gefahr groß. Ausserdem können Wegränder auch einmal wegbrechen. Bisher ist dem Nockbauer dies zum Glück nicht passiert, aber es gibt immer wieder Unfälle bei Almabtrieben. Auch dieses Mal geht alles gut.

Durch das Stallental bergab ins Inntal
Nach einer Einkehr auf der Lamsenjochhütte geht es hinunter, die Höhenmeter bergauf sind geschafft, nun stehen ca. 1300 Höhenmeter bergab auf dem Programm. Auf halber Strecke liegt die Stallenalm, wo wieder eine kurze Rast für Mensch und Tier eingelegt wird. Von dort geht es mit den Kühen zum Stallenboden und zur Weng. Dort ist das Ziel des ersten Tages. Die Kühe kommen gegen 15.00 Uhr dort an und dürfen sich hier über Nacht ausruhen. Schliesslich waren sie nun 7 Stunden zu Fuß unterwegs. Abends werden die Kühe noch gemolken.

Almabtrieb Tag zwei
Tags drauf geht es weiter. Bevor die Kühe geschmückt werden, ist nochmal melken angesagt. Selbstverständlich ist dann das Putzen der Kühe an der Reihe. Danach wird der Kopfschmuck der Kühe sortiert, den die Bäuerin und ihre Schwestern in den letzten Tagen und Wochen daheim kunstvoll gebunden hat. Es gibt Gebinde mit Spiegel, mit Kreuzen, Bildern oder Blumen. Keines gleicht dem anderen. Sobald eine Kuh das passende Gebinde auf dem Kopf hat, kommt die Glocke dazu. Wenn dann alle Kühe fertig gerichtet sind, geht weiter auf der Reise. Von der Wiese oberhalb des Inntal müssen die Kühe auf den Strassen und Wegen über Vomp und Vomperbach nach Terfens. Auf dem Dorfplatz werden sie schon erwartet. Nun ist es nur noch eine gute halbe Stunde, bis sie daheim am Bauernhof ankommen - dem Ziel der Reise.

Hier lebt eine Tradition, die hoffentlich noch recht lange erhalten bleibt. Leider ist diese Form von Almabtrieb praktisch ausgestorben, weil sie von Tier und Mensch sehr viel abverlangt. Zum Glück lebt sie noch im Karwendel.

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