Bettelwurf

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Letzte Aktualisierung am von Markus Schmidt

Großer Bettelwurf – Der König des Halltals

Wenn du bei Hall in Tirol im Inntal stehst und nach Norden schaust, ist dort direkt das Karwendel. Der Bettwurf prägt mit seiner fast senkrechten Felswand diesen bereich des Karwendelgebirge: Der 2.726 Meter hohe Große Bettelwurf thront mit seinen gewaltigen Kalkwänden über dem kleinen Ort Absam. Gemeinsam mit dem Kleinen Bettelwurf (2.650 m), bildet er eines der spektakulärsten, aber auch anspruchsvollsten Bergziele im Halltal.

Eine Tour auf diesen Gipfel ist wirklich kein Spaziergang: Du überwindest fast 1.900 Höhenmeter ab dem Halltal-Parkplatz und bewegst dich auf steilen, ausgesetzten Pfaden. Doch wer das alpine Abenteuer wagt, wird mit packender Felskraxelei und einer gigantischen Aussicht belohnt.

Die letzten Meter vom Kleinen Bettelwurf zum Großen Bettelwurf
Die letzten Meter vom Kleinen Bettelwurf zum Großen Bettelwurf
Karwendel Panorama auf dem Großen Bettelwurf
Karwendel Panorama auf dem Großen Bettelwurf

Bettelwurf auf einen Blick

  • Schwierigkeit: Schwere, alpine Bergtour. Beide Aufstiegsvarianten enthalten drahtseilgesicherte Klettersteigpassagen sowie ungesicherte Kraxelei im I. bis II. Grad nach UIAA.
  • Höhenmeter: Vom Parkplatz Halltal bei Absam insgesamt ca. 1.880 Höhenmeter im Aufstieg.
  • Gehzeit: Gesamttour ca. 8 bis 9 Stunden reine Gehzeit (Aufstieg ca. 5 Std., Abstieg ca. 3,5 Std.).
  • Ausrüstung: Ein Steinschlaghelm ist absolute Pflicht, dazu ein Klettersteigset, ein passender Klettergurt, feste Bergschuhe und reichlich Trinkwasser.
  • Beste Zeit: Von Juli bis Oktober. Im Frühsommer halten sich im Eisengattergrat oft noch steile, gefährliche Altschneefelder.
  • Sicherheit: Absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind zwingend erforderlich.

Ein Blick in die Geschichte

Die Erstbesteigung des Großen Bettelwurfs gelang im Jahr 1867 dem bekannten Wiener Alpinisten und Karwendel-Pionier Hermann von Barth. Er bezwang den gewaltigen Koloss im Alleingang und ohne moderne Hilfsmittel – eine extrem kühne Pionierleistung für die damalige Zeit. Hermann von Barth hat viele Gipfel im Karwendel erstbestiegen, deshalb gibt es auch ein Denkmal an ihn am Kleinen Ahornboden. Der prägnante Name Bettelwurf geht übrigens auf die karge Natur der steilen Südabstürze zurück, an denen schlichtwegs nichts wächst und man sich jeden Meter hart erarbeiten muss.

Zustieg aus dem Halltal: Der Weg zur Bettelwurfhütte

Blick zur Bettelwurfhütte
Blick zur Bettelwurfhütte im Karwendel

Egal für welche Variante du dich entscheidest, deine Tour startet immer am Halltal-Parkplatz am Ortsrand von Absam. Du wanderst zunächst ein kurzes Stück hinein ins Tal. Beim Kraftwerk Halltal am Bettelwurfeck zweigst du rechts ab und folgst der Beschilderung Richtung Bettelwurfhütte. Der erste Abschnitt führt durch karwendeltypische Steinreissen. Das ist anstrengend bergauf! In unzähligen steilen Serpentinen zieht der Weg bergauf. Dann kommst du auf einen Wandersteig mit einigen Seilversicherungen. Toll fand ich hier den Ausblick auf das Halltal. Du siehst das ehemalige Kloster St. Magdalena, die Herrenhäuser und den Issanger (das ist im Herbst ein toller Platz!). Auf einer Höhe von 2.077 Metern erreichst du schließlich die spektakulär gelegene Bettelwurfhütte des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV). Sie klebt förmlich wie ein Adlerhorst an den Steilabstürzen und ist der perfekte Ort für eine Zwischenrast.

Großer Bettelwurf Route 1: Klassischer Aufstieg über den Eisengattergrat

Wer den direkten Weg auf den Hauptgipfel sucht, wählt den Aufstieg über den Eisengattergrat. Kurz bevor du die Bettelwurfhütte erreichst, zweigt dieser Steig nach Nordosten ab und leitet dich direkt Richtung Felsgrat.

Der Weg über den Eisengattergrat ist die technisch moderatere Variante, erfordert wegen des ausgesetzten Geländes aber volle Konzentration. Der Steig bewegt sich vorwiegend im Klettersteig-Schwierigkeitsgrad A/B (leicht bis mäßig schwierig). Über abgestufte Felsbänder, leichte Rinnen und versicherte Platten gewinnst du zügig an Höhe. Einzelne Passagen erfordern das Überwinden kurzer Felsstufen im ungesicherten I. Grad nach UIAA. Nach gut 2 bis 2,5 Stunden ab dem Hüttenabzweig stehst du schließlich am Gipfelkreuz des Großen Bettelwurfs.

Großer Bettelwurf Gipfel
Großer Bettelwurf Gipfel

Großer Bettelwurf Route 2: Die Überschreitung Kleiner & Großer Bettelwurf)

Für erfahrene Bergsportler mit bester Kondition ist die Überschreitung vom Kleinen zum Großen Bettelwurf das absolute Highlight der Region.

1. Aufstieg zum Kleinen Bettelwurf: Von der Bettelwurfhütte steigst du in nordwestlicher Richtung direkt in die Felsflanke ein. Über gestuftes Felsgelände und drahtseilgesicherte Abschnitte im Bereich B bis B/C geht es hinauf zum Kleinen Bettelwurf (2.650 m).

2. Der ausgesetzte Verbindungsgrat: Du kletterst auf einem extrem schmalen Felsgrat hinüber zum Hauptgipfel. Die Schlüsselstellen liegen hier im Klettersteig-Schwierigkeitsgrad C bis C/D, darunter eine steile Wandstufe und eine luftige Verschneidung. Dazwischen folgen immer wieder ungesicherte Kraxelpassagen im I. und leichten II. Grad (UIAA).

3. Abstieg: Vom Gipfel des Großen Bettelwurfs erfolgt der Abstieg schließlich über den leichteren Eisengattergrat (Route 1) zurück Richtung Hütte und weiter ins Halltal.

Panorama Großer Bettelwurf

Bettelwurf Panorama - ins Karwendel
Bettelwurf Panorama – ins Karwendel

Am Gipfelkreuz des Großen Bettelwurfs belohnt dich eine schier unendliche Fernsicht. Im Süden liegt dir das Inntal tief zu Füßen, während der Blick über die Tuxer und Zillertaler Alpen bis zum Alpenhauptkamm mit dem Großglockner schweift. Richtest du den Blick nach Norden und Westen, blickst du mitten in das wilde Herz des Naturparks Karwendel mit der Speckkarspitze, dem Großen Lafatscher und der Zugspitze am Horizont. Direkt hinter dem Bettelwurf schaust du ins Vomper Loch und darüber befindet sich ebenfalls in Sichweite die berühmte Lamsenspitze – auch ein lohnendes Bergziel im Karwendel.

Mein persönliches Fazit

Die größte Herausforderung am Bettelwurf ist nicht nur die Kletterei, sondern die schwere Gesamtlänge in Kombination mit den extremen Höhenmetern. Die steilen Südhänge heizen sich im Sommer enorm auf – nimm daher mindestens 2 bis 3 Liter Wasser mit, da es unterwegs keine Trinkwasserquellen gibt. Da der Grat völlig frei liegt, solltest du bei sommerlicher Hitze sehr früh morgens aufbrechen, um nicht in Nachmittagsgewitter zu geraten. Der Große Bettelwurf verlangt dir konditionell einiges ab, gehört aber zu den eindrucksvollsten Bergtouren im Karwendel. Ich persönlich würde bis zum Einstieg der Wanderung mit dem Fahrrad ins Halltal zum E-Werk fahren, das ist offiziell erlaubt und spart dir insgesamt 4 Kilometer wandern auf der Halltalstraße.

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