Herrenhäuser
Letzte Aktualisierung am von Markus Schmidt
Die Herrenhäuser im Halltal – Lost Place im Karwendel
Wenn du ins Halltal hinein und hinauf wanderst, erreichst du auf rund 1.490 Metern Seehöhe einen Ort, an dem Geschichte auf Schritt und Tritt spürbar ist: die Herrenhäuser im Halltal. Sie sind umgeben von den mächtigen Felswänden des Karwendels. Früher war dieser Gebäudekomplex über viele Jahrhunderte das Zentrum des Tiroler Salzbergbaus. Wo heute Stille herrscht und Wanderer die wilde Natur genießen, herrschte einst geschäftiges Treiben. Heute ist es ein Lost Place im Karwendel. Ein Ausflug zu den Herrenhäusern ist eine kleine Zeitreise in die Epoche, als das „weiße Gold“ die Salinenstadt Hall in Tirol reich und berühmt machte.
Darum geht es auf dieser Seite:
Herrenhäuser Halltal auf einen Blick
- Lage: Im oberen Drittel des Halltals auf 1.490 m Höhe.
- Erreichbarkeit: Zu Fuß über den Solewanderweg oder die Halltalstraße mit dem Mountainbike / E-Bike.
- Gehzeit ab Parkplatz: Ca. 2 bis 2,5 Stunden (einfache Strecke).
- Höhenmeter: Rund 860 hm ab dem Halltal-Parkplatz bei Absam.
- Besonderheit: Historischer König-Max-Stollen, Schautafeln zur Bergbaugeschichte und kleine Bergknappen-Kapelle.
- Wichtiger Einkehr-Hinweis: Die Herrenhäuser sind kein Gasthaus und nicht bewirtschaftet. Nimm ausreichend Verpflegung mit!
700 Jahre Salzabbau: Die Wiege des Halltaler Wohlstands
Die Geschichte der Herrenhäuser ist untrennbar mit dem Salzbergbau im Karwendel verbunden. Bereits im Jahr 1272 wurde der Salzabbau im Halltal erstmals urkundlich erwähnt. Über 700 Jahre lang – bis zur endgültigen Schließung des Bergwerks im Jahr 1967 – holten die Bergknappen unter extremen Bedingungen das kostbare Salz aus dem Berg. Zur Blütezeit arbeiteten hier bis zu 800 Männer und förderten jährlich rund 10.000 Tonnen Salz.
Die Herrenhäuser dienten in dieser Zeit als Verwaltungssitz der Salinenbeamten („Bergherren“) sowie als Unterkunft für Gäste und Kaiserliche Visitoren. Später wurden hier auch großräumige Schlafsaal-Lager für die Knappen eingerichtet. Ein besonderes Juwel im ist die historische Knappenkapelle, in der die Bergleute vor ihren gefahrvollen Schichten unter Tage um Schutz baten.
Was gibt es bei den Herrenhäusern heute zu sehen?


Vom Knappenhäusl der Herrenhäuser kommst du in die kleine Bergknappen-Kapelle hinein. Sie war über Jahrhunderte hinweg der spirituelle Zufluchtsort für die Bergleute, die hier vor ihren gefahrvollen Schichten unter Tage um Schutz und eine wohlbehaltene Rückkehr baten. Ein eindrucksvolles kulturhistorisches Zeugnis im Karwendel.
Auch wenn die Blütezeit des Bergbaus vergangen ist und ein verheerender Brand im Jahr 2008 Teile der historischen Holzgebäude zerstörte, lohnt sich der Aufstieg heute noch. Direkt bei den Herrenhäusern befindet sich das Mundloch des König-Max-Stollens. Die Salinen Austria haben diesen historischen Bereich aufwendig restauriert. Du kannst heute direkt an den Stollenmund herantreten, den rekonstruierten Holzbau besichtigen und einen Blick in das dunkle Innere des Berges werfen.

Der Weg zu den Herrenhäusern führt über den Solewanderweg. Entlang der Route erklären dir liebevoll gestaltete Infotafeln und Schaukästen, wie die Sole (das Salz-Wasser-Gemisch) einst in Holtzleitungen aus dem Tal bis nach Hall transportiert wurde. Von den Herrenhäusern aus hast du einen fantastischen Blick auf die steil aufragenden Kalkwände der Speckkarspitze und des Bettelwurfs.
Wie kommt man zu den Herrenhäusern?
1. Gemütlich & lehrreich zu Fuß (Solewanderweg)
Du startest am Halltal-Parkplatz bei Absam und folgst der Beschilderung des Solewanderwegs. Der Weg führt abseits der geteerten Fahrstraße großteils am rauschenden Halltalbach entlang, passiert das ehemalige Kloster St. Magdalena und schraubt sich sanft bis zu den Herrenhäusern empor.
2. Mit dem Mountainbike oder E-Bike
Die geteerte Halltalstraße ist für den privaten Autoverkehr gesperrt, bietet Mountainbikern aber eine sportliche und gut zu fahrende Auffahrt. Die offizielle Bike-Route (Nr. 5000) führt dich vom Parkplatz steil, aber direkt zu den Herrenhäusern.
3. Abkürzung mit dem Halltal-Taxi
Wer Höhenmeter sparen möchte oder mit kleineren Kindern unterwegs ist, kann sich mit dem lokalen Halltal-Taxi bis in den Bereich von St. Magdalena bringen lassen und das letzte Wegstück zu den Herrenhäusern zu Fuß zurücklegen.
Tourenmöglichkeiten ab den Herrenhäusern
Die Herrenhäuser sind nicht nur ein faszinierendes Ziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte, sondern auch ein Zwischenziel auf alpinen Bergtouren im Karwendel:
- Zum idyllischen Issanger: Wenn du von den Herrenhäusern noch etwa 30 bis 45 Minuten weiter bergwärts wanderst, erreichst du den malerischen Issanger – eine traumhafte, von Felsriesen eingerahmte Almboden-Lichtung.
- Zur Pfeishütte über den Wilden-Bande-Steig: Für ausdauernde Bergwanderer zieht von den Herrenhäusern der berühmte Wilde-Bande-Steig hinüber in Richtung Lafatscherjoch und weiter zur Pfeishütte im Karwendel.
- Übergang zum Halleranger: Über das Lafatscherjoch gelangst du zudem zum bekannten Hallerangerhaus.
Mein persönlicher Verpflegungs-Tipp
Da die Herrenhäuser heute keine Gastronomie mehr bieten und rein als historisches Denkmal stehen, solltest du dir unbedingt eine Brotzeit und ausreichend Wasser in den Rucksack packen. Es gibt kaum einen schöneren Picknickplatz als die Holzbänke vor den alten Gemäuern mit Blick auf das gewaltige Bergpanorama des Halltals! Wer auf eine gemütliche Einkehr mit warmem Essen nicht verzichten möchte, legt auf dem Hin- oder Rückweg einfach einen Stopp im Alpengasthof St. Magdalena ein.
Weiterführende Links
- Alle Infos zur Anreise: Parkplatz Halltal
- die schönsten Orte im Halltal
- Königstour der Region: Großer Bettelwurf

