Das Brauchtum der Stickerei

Georg Leitner aus Reith im Alpbachtal gewährt Einblicke in das fast vergessene Handwerk des Federkielstickens: Faltige Hände versuchen zittrig einen mikroskopisch kleinen Faden durch die Nadel-Öse zu treffen. Zickzack, Kreuzstich, dicke Hornbrille, graues Haar und lassen wir es noch ein knisterndes Feuer sein das uns in den Sinn kommt wenn wir an das alte Handwerk, nämlich das Sticken denken.


Einer der mit dieser Vorstellung gänzlich bricht, ist Georg Leitner aus Reith im Alpbachtal. Der 43-jährige zeigt, dass Federkielsticken mehr ist als Mütterchens Zeitvertreib an kalten Winterabenden. Er ist einer von fünf Federkielstickern in Tirol, der heute noch hauptberuflich das seltene Handwerk des ausübt.

Bestickte Rarität
In einem Einfamilienhaus in Reith im Alpbachtal fällt warmes Sonnenlicht durch holzgerahmte Fenster auf eine knorrige Werkbank. Darauf liegen Lederstücke, Riemen und bastartige weiße Fäden. Als würde ihrem Blick nichts entgehen ragen die blau-grün schimmernden Augen der Pfauenfedern aus einer Blumenvase. Es ist die Werkstatt von Georg Leitner, der es sich in seinem Haus auch beruflich gemütlich gemacht hat.

„Der hier hat mich gut 200 Stunden gekostet“, erzählt Georg während er einen kohlschwarzen Trachtengürtel mit feinem weißem Muster hochhält. Es ist ein „Ranzen“. Damals galt er auch als Statussymbol und konnte den Gegenwert eines Pferdes erreichen.  Heute ist der bestickte Gürtel zur Rarität geworden. Dieser Bauchschmuck ist aber kein Überbleibsel aus Hofers Zeiten, sondern ziert noch heute die Bäuche fescher Burschen in knackigen Lederhosen. Gut einen Monat arbeitet Georg an solch einem Prachtstück.

Mündlich überliefertes Wissen
Das Federkielsticken ist kein Lehrberuf, sondern eine Fertigkeit die mündlich überliefert wird. In den 50er Jahren war das Handwerk in Tirol fast ausgestorben. Nur im Südtiroler Sarntal gab es noch hauptberufliche Federkielsticker. Georgs Vater erlernte dort den Beruf und lehrte später auch ihm die Feinheiten und Geheimisse rund um diese Kunst. Heute steht Georg selbst in seiner kleinen Werkstatt und arbeitet – manches Mal mit Hilfe des Vaters, manches Mal legt auch schon sein Sohn Hand an – an der feinen Stickerei.

Mit dem Handrücken streicht er sanft über die schimmernden Federn bevor er eine davon herausnimmt. Zum Federkielsticken werden Pfauenfedern verwendet. Diese sind stabil und haben mit ihren rund 50 cm langen Kielen die richtige Länge. Mit der Schere schneidet er das Pfauen-Auge ab. Entfernt den überstehenden Flaum bis nur noch der stabile Kiel über ist. Danach teilt er diesen mit einem Draht. „Weiter verrat ich´s nicht“, lächelt Georg, der das Geheimnis um die Herstellung des weißen Fadens nicht weiter preisgibt. Am Ende gewinnt man, je nach Feder, fünf bis sechs Fäden.

Nährössl, Deckweiß, Ahle & Co
Danach wird das Leder zugeschnitten. Jeweils zwei dünne Lederflecken werden mit einem Stück Stoff dazwischen miteinander verleimt. Sonst verzieht es sich beim Sticken. Dazu verwendet er Rinds-, Ziegen-, Rossleder, Hauptsache es ist glatt, dünn und pflanzlich behandelt. Durch die pflanzliche Behandlung bekommt das Leder nach jahrelangem Tragen seinen typischen braunen Teint. Bei industrieller Behandlung würde es nämlich grau werden. Auf das zugeschnittene Leder zeichnet Georg mit Deckweiß ein Muster auf. Feinheiten trägt er mit freier Hand auf, große Muster zeichnet er zuvor auf Pergament-Papier und überträgt es dann via Schablone auf das Leder.

„Jeder hat seinen eigenen Stil. Sogar in Bayern kennt man den Leitner-Stil“, erzählt Georg, während er mit ruhiger Hand verschiedene Ornamente aufzeichnet. Das weiß-gemusterte Leder spannt er nun in sein Arbeitsgerät. Das Nährössl: Vier Füße, ein Sitz und eine Halterung, die das Leder festhält. Mit der „Ahle“, eine stabile Nadel mit Holzgriff, sticht er nun die Löcher in das Leder, durch die das Kiel-Garn gezogen wird.

Dann zieht er beständig den weißen Faden durch die Löcher bis sich mit der Zeit ein kunstvolles Muster zeigt. Ranzen, Trachtengürtel, Handtaschen, Hosenträger und auch Glockenriemen für die Kühe hat Georg Leitner in seinem Repertoire. Um fünf Uhr morgens beginnt sein Arbeitstag. Gutes Handwerk braucht eben Zeit. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden, sicherlich könnte ich mit meinen Stunden als KFZ-Mechaniker mehr verdienen, doch das würde mich nicht glücklicher machen“, erzählt Georg.

Oft ist er auch beim traditionellen Kirchtag im Museum Tiroler Bauernhöfe – direkt beim Hattinghof in Kramsach am Fuße des Rofan dabei und zeigt sein Können. Die Zeit rund um den Almabtrieb ist eine ganz Besondere.

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