Lüftlmalerei Mittenwald

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Letzte Aktualisierung am von Markus Schmidt

Lüftlmalerei Mittenwald

Die Lüftlmalerei gehört zu Mittenwald dazu und ist für viele Urlauber der Grund, hierher zu kommen. Die bunten Hausfassaden machen Mittenwald zu einem der beliebtesten Urlaubsorte im Karwendel. Wer hier durch die Gassen schlendert, taucht ein in eine jahrhundertealte Tradition, die den gesamten Ort in ein großes Bilderbuch verwandelt.

Mittenwald hat neben der Geigenbau-Tradition noch ein zweites Markenzeichen: die Lüftlmalerei. Wer durch die Altstadt schlendert, merkt schnell, dass diese Kunstwerke an den Häusern extrem sehenswert sind. Die bunten Fresken sind wie ein riesiges Bilderbuch: Sie erzählen vom harten Alltag der Handwerker vor ein paar Jahrhunderten, von ihren Hoffnungen und von ihrem Humor. Die Lüftlmalereien prägen das Gesicht des Ortes wie kaum etwas anderes.

Woher die Lüftlmalerei ihren Namen hat

Um die Entstehung des Begriffs ranken sich zwei Geschichten. Die wohl wahrscheinlichste führt uns nach Oberammergau zum Fassadenmaler Franz Seraph Zwinck. Sein Heimathaus trug den Namen „Zum Lüftl“. Wenn die Einheimischen den Künstler damals hoch oben auf seinen Gerüsten arbeiten sahen, sagten sie einfach: „Da drüben pinselt wieder der Lüftl.“ Eine andere, sehr pragmatische Erklärung besagt, dass die Maler ihre Kunst schlicht und ergreifend in „luftiger Höhe“ und an der frischen Luft ausüben mussten. Beide Erklärungen haben etwas für sich, warum die Lüftlmalerei so heißt.

Warum hält sich die Lüftlmalerei so gut?

Dass die Farben nach über zweihundert Jahren im rauen Bergwetter der Alpen immer noch so kräftig leuchten, verdanken wir einer besonderen Handwerkskunst: der sogenannten Freskotechnik. Die alten Meister malten damals nicht auf die fertige Wand, sondern trugen ihre Farbpigmente direkt auf den noch nassen, frischen Kalkputz auf. Während der Putz trocknet, verbindet sich die Farbe chemisch mit dem Untergrund – sie „verkieselt“. Das Bild wird dadurch zu einem Bestandteil der Hauswand und trotzt Wind, Regen und Schnee über Jahrhunderte hinweg.

Wovon handelt die Lüftlmalerei in Mittenwald?

Die Motive an den Häusern waren früher mehr als nur hübsche Dekoration; sie erzählten viel über die Menschen, die darin wohnten. Sehr häufig sieht man religiöse Motive, die das Haus und seine Bewohner schützen sollten, wie den heiligen Florian gegen die Brandgefahr oder den heiligen Christopherus als Patron der Reisenden. Gleichzeitig zeigten die Mittenwalder gerne stolz ihren Beruf: Da sieht man Flößer auf der Isar oder Geigenbauer in ihren Werkstätten. Und wer nicht genug Geld für echte, teure Barockstuckaturen oder Steinsäulen hatte, griff zu einer Schwindelei: Man ließ sich Fensterrahmen, Bögen und Säulen einfach so täuschend echt auf die flache Wand pinseln, dass das Auge des Betrachters bis heute darauf hereinfällt.

Die schönsten Lüftlmalereien in Mittenwald

Lüftlmalerei Mittenwald - am besten am Obermarkt zu sehen
Lüftlmalerei Mittenwald – am besten am Obermarkt zu sehen

Am besten nimmst du dir ein bisschen Zeit und schlenderst ganz ohne Zeitdruck durch die Altstadt in Mittenwald. So findest du ganz viele tolle Lüftlmalereien. Diese Ecken lohnen sich besonders:

1. Das Neunerhaus (Die älteste Lüftlmalerei)

  • Adresse: Obermarkt 24
  • Was es zu sehen gibt: Dieses Haus ist ein echter Meilenstein der Mittenwalder Ortsgeschichte, denn seine Fassade gilt als das älteste erhaltene Original im Ort. Die Malereien stammen vermutlich aus dem Jahr 1746 und werden der Schule des berühmten Rokokomalers Matthäus Günther zugeschrieben.
  • Die Details: Auf der linken Seite wird es dramatisch: Dort siehst du die biblische Szene, wie Judith den Feldherrn Holofernes enthauptet. Das eigentlich Sehenswerte ist aber die humorvolle Darstellung der „verkehrten Welt“ direkt darunter. Hier steht das Leben kopf: Die Hasen jagen den Jäger, und die Ochsen treiben den Metzger. Leicht zu übersehen, wenn man nicht genau hinschaut.

2. Der Gasthof Alpenrose (Meisterhafte Augentäuschung)

  • Adresse: Obermarkt 1
  • Was es zu sehen gibt: Die Fassade dieses urigen Gasthofs mitten in der Fußgängerzone ist das Paradebeispiel für die sogenannte Scheinarchitektur (Illusionismus). Sie wurde um 1775 von Franz Seraph Zwinck, dem wohl berühmtesten Lüftlmaler der Region gestaltet.
  • Die Details: Wenn du vor dem Gebäude stehst, meinst du, prunkvolle, dreidimensionale Barock-Verzierungen, wuchtige Säulen, ausladende Simse und tiefe Fensterbögen zu sehen. Das ist alles absolute Kulisse! Die Hauswand ist in Wahrheit komplett flach. Zwinck hat hier so perfekt mit Licht und Schatten gespielt, dass das Auge des Betrachters bis heute reihenweise darauf hereinfällt.

3. Das Schlipferhaus (Der göttliche Schutzschild)

  • Adresse: Obermarkt 54 / Ecke Goethestraße 23
  • Was es zu sehen gibt: Dieses wunderschöne Eckhaus aus dem Jahr 1783 zeigt ganz klassisch, worum es den Hausbesitzern früher ging: Die Malereien waren eine Art spirituelle Versicherungspolice für Hab und Gut.
  • Die Details: Die Fassade zeigt eine große, sehr farbenprächtige Darstellung des Erzengels Michael, der als Drachentöter kämpft. Direkt daneben wacht der heilige Florian, der Wasser über ein brennendes Haus gießt. Da Mittenwald wegen der engen Gassen und der damaligen Holzbauweise im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Bränden heimgesucht wurde, war so eine Lüftlmalerei als „himmlischer Brandschutz“ an fast jedem zweiten Haus.

4. Das Geigenbaumuseum (Die kunstvolle Handwerker-Wiege)

  • Adresse: Ballenhausgasse 3
  • Was es zu sehen gibt: Das Gebäude selbst gehört zu den ältesten und schönsten barocken Handwerkerhäusern im Ort. Seine Fassade wurde 1764 von Franz Karner bemalt und verbindet die Geschichte des Geigenbaus optisch mit dem Glauben der damaligen Zeit.
  • Die Details: Im Zentrum der Bemalung steht das große, andächtige Motiv „Mutter vom guten Rat“. Karner war in der Region bekannt für seinen extrem feinen, fast schon zarten Pinselstrich. Das Bild strahlt eine wunderbare Ruhe aus und passt perfekt zu dem historischen Gebäude, in dem heute die Geschichte des Mittenwalder Geigenbaus gezeigt wird.

5. Das Haus „Beim Gschdoaga“ (Erinnerung an den Bozner Markt)

  • Adresse: Ballenhausgasse (direkt gegenüber dem Geigenbaumuseum)
  • Was es zu sehen gibt: Dieses Haus feiert an seiner Fassade die goldene Ära Mittenwalds als reiche und lebendige Handelsstadt.
  • Die Details: Die farbenfrohen Szenen zeigen das bunte Treiben des berühmten Bozner Marktes. Mittenwald war von 1487 bis 1679 der feste Stützpunkt für diesen riesigen Römermarkt, weil der Weg nach Südtirol wegen politischer Streitigkeiten gesperrt war. Zwei Jahrhunderte lang strömten reiche Händler aus ganz Europa in den Ort. Die Fresken zeigen Pferde, Händler beim Feilschen und den Trubel von damals – wie ein historisches Foto auf Putz.

6. Wohnhaus Im Gries 28/30 (Der moralische Zeigefinger)

  • Adresse: Im Gries 28–30
  • Was es zu sehen gibt: Wenn du den Obermarkt verlässt und in das Viertel „Im Gries“ (den ältesten Teil Mittenwalds) abbiegst, findest du an diesem Doppelhaus eine der schönsten Alltagsszenen des Ortes. Sie wurde 1773 ebenfalls von Franz Seraph Zwinck gemalt.
  • Die Details: Das Bild zeigt das biblische „Gleichnis vom Splitter und vom Balken“. Du siehst zwei Männer, die mitten im heftigen Streit stecken. Der eine zeigt empört auf einen winzigen Splitter im Auge seines Gegenübers – merkt aber überhaupt nicht, dass ihm selbst ein riesiger, fetter Holzbalken quer aus dem eigenen Auge ragt. Eine herrlich humorvolle und zeitlose Erinnerung daran, erst vor der eigenen Haustür zu kehren.

7. Der Kirchturm von St. Peter und Paul (Das unübersehbare Meisterwerk)

  • Adresse: Matthias-Klotz-Straße 2 (direkt am Obermarkt)
  • Was es zu sehen gibt: Du musst gar nicht lange suchen, denn er überragt den gesamten Ort. Der riesige, barocke Kirchturm der Pfarrkirche ist von oben bis unten komplett bemalt.
  • Die Details: Auch hier kam wieder die ganz große Kunst der Scheinarchitektur zum Einsatz. Die gemalten Säulen, Nischen, Heiligenfiguren und Simse lassen den Turm aus der Ferne unglaublich plastisch wirken. Er wurde im 18. Jahrhundert von Franz Karner bemalt und bildet den Mittelpunkt des Ortes. Ein genauer Blick auf die Details in den oberen Etagen lohnt sich!

8. Das Hornsteinerhaus (Die Flößer-Tradition)

  • Adresse: Im Gries 4
  • Was es zu sehen gibt: Dieses typische, alte Mittenwalder Haus liegt ebenfalls im historischen Handwerkerviertel Gries und widmet sich einem Handwerk, das neben dem Geigenbau lebenswichtig für den Ort war: der Flößerei auf der Isar.
  • Die Details: Auf der Fassade ist die harte Arbeit der Flößer als Lüftlmalerei verewigt. Die Flößer transportierten damals die Baumstämme aus den Bergwäldern über die Isar bis nach München. Neben den Arbeitsszenen finden sich auch hier wieder die typischen Heiligendarstellungen, die die Männer auf ihrer gefährlichen Fahrt auf dem Fluss beschützen sollten.

9. Das Bozner-Markt-Haus / Weinhaus

  • Adresse: Obermarkt 43
  • Was es zu sehen gibt: Ein weiteres Prachthaus an der Hauptstraße, das mit besonders lebendigen, barocken Figuren und reich verzierten Fensterumrahmungen glänzt.
  • Die Details: Die prächtige Lüftlmalerei zeigt Szenen rund um den Weinhandel und das Feiern – passend zur Geschichte des Hauses, das früher als Umschlagplatz für edle Tropfen aus dem Süden diente. Die Farben sind fantastisch erhalten und die dargestellten Personen wirken durch ihre dynamischen Posen unglaublich lebendig, fast so, als würden sie gleich von der Wand steigen.

Kleiner Tipp:
Schau mal genau hin – oft erzählen die Bilder eine zusammenhängende Geschichte. Es lohnt sich, ab und zu stehenzubleiben und die Details zu suchen!

Mittenwalder Lüftlmalerei Route

Mittenwalder Lüftlmalerei Route - www.karwendel-urlaub.de
Mittenwalder Lüftlmalerei Route – www.karwendel-urlaub.de

Ich empfehle dir meine Mittenwalder Lüftlmalerei Route. Dein Rundgang startet an der barocken Pfarrkirche St. Peter und Paul, deren Kirchturm komplett mit Lüftlmalerei verziert ist. Von dort aus schlenderst du nach Süden über den Obermarkt und entdeckst auf der linken Seite die meisterhafte Scheinarchitektur am Gasthof Alpenrose. Nur ein paar Schritte weiter links findest du das Neunerhaus, bevor du kurz darauf am Weinhaus vorbeikommst. Fast am Ende der Fußgängerzone ragt auf der rechten Seite das Schlipferhaus mit seinen riesigen Heiligendarstellungen an der Hausecke empor. Hier biegst du links in die Ballenhausgasse ab, wo das Haus „Beim Gschdoaga“ und das Geigenbaumuseum das alte Markttreiben lebendig machen. Die Gasse führt dich direkt weiter in das älteste Mittenwalder Viertel „Im Gries“ mit dem Hornsteinerhaus.

Tipp für Entdecker: Wenn du diese Adressen nacheinander abläufst, machst du automatisch einen wunderschönen Rundgang. Starte am besten an der Kirche St. Peter und Paul, schlendere über den Obermarkt, biege dann in die Ballenhausgasse ab und lass den Spaziergang in den ruhigen Gassen des Viertels „Im Gries“ ausklingen.

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