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Schwaz am Fuße des Karwendel



Schwaz hat im Mittelalter Geschichte geschrieben: Mit der Silbermine.
Allerdings lag bzw. liegt dieses Silber nicht im Karwendel, sondern an dessen Rand. Wir haben es mit einer ebenso geschichtsträchtigen wie naturgespickten Region in Tirol zu tun. Zentrum der Region ist die Bezirksstadt Schwaz. Schwaz? Ja – Schwaz! Googeln Sie einmal, Sie werden Augen machen.
Silberstadt Schwaz
Die Stadt, die erst seit 1899 eine solche ist, war im Mittelalter das montanistische Zentrum Europas. Der Sage nach hat im Jahre 1409 die Magd Gertraud Kandlerin beobachtet, wie ein Stier mit seinen Hörnern silbrig-schimmerndes Gestein freilegte – das Rindvieh war auf Silbererz gestoßen. Der bis dahin unbedeutende Ort wurde zum „Klondike des Mittelalters“. Die rasante Entwicklung ist eindrucksvoll in einem Landreim festgehalten, den Georg Rösch im Jahre 1558 verfaßt hat: Im Klartext: „Schwaz ist aller Bergwerk Mutter
zwar, davon ernährt sich eine große Schar – bei 30.000 hab ich’s recht behalten, von Männern, Frauen, Jungen und Alten.“
Zweitgrößte Stadt nach Wien
Unglaublich, Schwaz wurde damals nach Wien zum zweitgrößten Ort im heutigen Österreich. Und: Aus dem Schwazer Silber wurde in Hall der Taler geschlagen, der als Vorläufer des „Dollars“ gilt. Als Kaiser Maximilian I. 1490 das Bergwerk besuchte, wurde er von 7400 Knappen empfangen, die ihm eine goldene Schüssel, gefüllt mit 50 kg Silbermünzen, übergaben. Sein Enkel Karl V. wurde nur dank des Bestechungsgeldes, das ihm Jakob Fugger, der die Schwazer Minen damals ausbeutete, leihweise zur Verfügung gestellt hatte, Römisch-deutscher Kaiser. Es handelte sich um die gigantische Summe von 543.000 Gulden.
Zwischen 1420 und 1827 wurde aus dem in den Schwazer Stollen geförderten Silbererz 2.571.000 kg Feinsilber gewonnen. Der in Schwaz gewonnene „Kupferberg“ hätte sogar ein Gewicht von 190.998.000 kg. Die Gesamtlänge der Schwazer Stollen liegt angeblich bei 500 Kilometern, entspricht also mehr als der Entfernung zwischen Schwaz und Wien. Paradestück des großen Bergbaus ist der Sigmund-Erbstollen, der im Jahre 1491 angefahren wurde. Also jener Stollen, der seit 1990 (auch im Winter) als Schaubergwerk zugänglich ist. Der gut erhaltene Stollen, die beiden Radstuben und die hohen Hallen geben noch heute einen Begriff von der Größe und Weltbedeutung des Silber und Kupferbergbaues im 15. und 16. Jahrhundert.
Paracelsus in Schwaz
Im Sog des Silbers kamen bedeutende Fürsten, Künstler und Wissenschaftler nach Schwaz. Die Fugger wurden schon erwähnt, an sie erinnert noch das architektonisch einzigartige Fuggerhaus. Um 1516 weilte der bedeutendste deutsche Arzt der damaligen Zeit, Paracelsus von Hohenheim, in dem Tiroler Bergwerksort. Der Nürnberger Hans Sachs gründete eine Meistersingerschule, Freskenreste aus dem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Meistersingersaal sind noch im Museum Schwazer Kunst im Rabalderhaus zu bewundern. Die Schwazer konnten es sich damals leisten, die – noch heute – größte Kirche Tirols zu bauen. Den Altar schuf der berühmte Veit Stoß, der Altar wurde – leider – bei der Barockisierung der Kirche verkauft. Im Reigen der vielen Künstler sei Hans Maler („zu Schwaz“) erwähnt, dessen Fugger-Portraits unter anderem im Metropolitan Museum in New York hängen.
In Schwaz befindet sich aber auch die Stammburg der Frundsberger. Deren beühmtester Sproß, der legendäre Jörg von Frundsberg, kam allerdings in Mindelheim zur Welt, wohin die Familie sechs Jahre vorher ausgewandert war.
Der Reichtum der Stadt ist heute noch zu sehen.
Was man in Schwaz alles anschauen kann:
- Altstadt Schwaz mit Stadtrundgang
- Stadtpfarrkirche Schwaz
- Stadtpark in Schwaz
- Franziskanerkloster Schwaz
- Schloss Freundsberg in Schwaz
- Fuggerhaus (von aussen)
- Museum Rabalderhaus
- Museum Haus der Völker
- Silberbergwerk Schwaz
- Planetarium
- Feuerwehrmuseum

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