Wintermärchen auf Burg Freundsberg in Schwaz: Zu Besuch bei Burgherrin Julia Spiß, Foto: Tom Bause
Die glückliche Burgherrin Julia Spiß in Freundsberg. Foto: Tom Bause

Das Herzstück über Schwaz
Burg Freundsberg mit dem schönen Blick auf das Karwendelgebirge ist wie Schwaz selbst: voller Geschichte und voller Geschichten. Mit Burgherrin Julia Spiß schlägt dieses Herz der Stadt in einem so pulsierenden wie einladenden Takt. Dass Burg und Herrin so zusammenpassen, muss Schicksal sein. Und manchmal spukt es auch in den historischen Mauern...

Leben auf Burg Freundsberg oberhalb von Schwaz
Auch denen, die mit weniger Fantasie gesegnet wurden, gelingt dieses Experiment auf Anhieb, die Gedanken müssen sich lediglich auf einen Robin-Hood-Film konzentrieren und dabei die Damen rund um den Helden herausfiltern. Dann reicht ein kurzer Blick auf Julia Spiß und schon spielt sie mit in dem fantastischen Film, gekleidet in einem langen, noblen Gewand, vielleicht mit kunstvoll hochgestecktem Haar. Oder eben offen, ganz wie’s der Fantasie beliebt.

Weil der nun mal keine Grenzen gesetzt und Gedanken grundsätzlich frei sind, ist es keine Hürde, den Schauplatz des eingebildeten Streifens nach Schwaz zu verlegen – auf die Burg, die dem Bild der Stadt schon so lange ein Krönchen aufsetzt: Burg Freundsberg. Dort, in diesem so erhabenen Stück Geschichte an der Südseite der Silberstadt, ist Julia Spiß die (Burg-)Herrin. Es ist wohl die reizvolle Umgebung und ihre eher gotische und so gar nicht barocke Gestalt, die Gäste auch mal geschwind in den Kalender blicken lässt, nur um sicherzugehen, dass heute wirklich heute ist. „Ich wurde schon gefragt, ob ich mir sicher bin, dass ich nicht schon mal da war. Das kann ich nicht beantworten, logisch, aber wahrscheinlich ist ein bissl was dran“, bestätigt die Burgherrin, dass der Gedanke schon recht nahe liegt.

Burgherrin mit viel Herz
Seit sieben Jahren lebt und arbeitet Julia Spiß in Burg Freundsberg und es scheint Schicksal zu sein, dass Burg und Herrin derart perfekt zusammenpassen. „Ich habe fünf Jahre im Stadtmarketing gearbeitet und das sehr gern getan. Als die Stadt dann aber die Burg ausgeschrieben hat, musste ich mich einfach bewerben“, erinnert sie sich. Dass sie den Zuschlag bekam, liegt nicht daran, dass sich die Stadtherren in einem Anflug blühender Fantasie gut vorstellen konnten, wie Julia Spiß und ihr damaliger Partner dieses Prachtstück beleben. Nein, es war das durch und durch durchdachte Konzept, das überzeugte. „Vor Jahren sagte der Bürgermeister zu mir: Alles, was du mit Herz machst, wird gelingen. Das ist brutal kitschig, aber er hatte Recht“, weiß sie. Stimmt.

Wie so oft, wenn etwas mit Herzblut und Leidenschaft gemacht wird, drängt sich die enorme Arbeit, die dahintersteckt, nicht in den Vordergrund. Auch beim Betreten der Burg Freundsberg ist es erst einmal das große Ganze, die Stimmung und Wirkung, die einen gefangen nimmt. Egal, ob im Burghof oder draußen auf der Terrasse sitzend, im Rittersaal oder im Gastraum gleich neben dem Eingang: Hat sich die Faszination des ersten Moments gesetzt und man selbst sich auch, können die vielen nicht zufällig platzierten Kleinigkeiten erst für sich wirken. Zwischen grob und fein fügen sich da die so kunstvoll gestalteten wie unaufdringlich selbstverständlichen Metallarbeiten ins Ganze ein. „Das macht der Andreas. Der ist vom Himmel gefallen“, schwärmt Burgherrin Julia und sagt: „Andreas ist Schlosser und Lehrlingsausbilder bei GE Jenbacher. Er darf sich in der Burg entfalten.“ Das hat er beispielsweise beim großen Holzfass getan, das zwischenzeitlich die Kuchen „hütet“ und im Gang steht, als wäre es nie anders gewesen.

So anstrengend, so schön
In allen Ecken hat die Burgherrin ihre Spuren hinterlassen, gestaltet, hervorgehoben und entdeckt. Doch, was wirklich nie anders war, kann auch sie nicht ändern. „Die Burg war nie auf Gastronomie ausgelegt, die Ritter hatten ja kein Gasthaus“, weiß sie. Einen Gastbetrieb zu planen, der derart viele Stufen hat oder Winkel und zudem kein Lager für Lebensmittel oder Getränke, wäre auch wirklich keine Glanzleistung. Heute. Weil es aber eine in ihren Ursprüngen mittelalterliche Burg ist, in der diese logistischen Stückchen gespielt werden müssen, ist Einfallsreichtum gefordert. Und Muskeln, und Energie. „Die Lebensmittel lagern wir in den schönen alten Kästen in der Sakristei der Schlosskirche. Ein Bierfassl zu holen und in den Rittersaal hinaufzubringen, ist schon ein Kraftakt. Wie viele Schritte oder Kilometer ich da zurücklege? Darüber mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr“, sagt sie. „So anstrengend es ist, so schön ist es auch. Das wiegt alles auf.“

Der weite Blick von Burg Freundsberg über Schwaz mit dem Karwendelgebirge, Foto: Tom Bause
Der Blick von der Altstadt Schwaz auf das Schloss Freundsberg in Tirol, Foto: Tom Bause

Die Gastwirtschaft mit Rittersaal in der Burg Freundsberg
Nicht nur bei der Gestaltung hat Julia Spiß ihre verlässlichen „Helferlein“. Bei der Bewirtung der Gäste ist sie ebenso nicht allein, ob sie nun im Rittersaal zünftig feiern oder auf der Terrasse Aussicht, Sonne und Brunch genießen. Und wenn es darum geht, das Erbe ihrer Stadt zu präsentieren – Burg Freundsberg beherbergt ja das Museum von Schwaz –, stehen ihr nicht nur die hier ausgestellten Schätze der Vergangenheit, sondern ein eingespieltes Team an Vermittlern zur Verfügung.

Führungen durch die Burg Freundsberg
„Mittlerweile sind es drei Männer, die auf Wunsch beziehungsweise auf Bestellung Führungen machen. Das ist eine richtig feine Geschichte und sehr, sehr wertvoll“, sagt sie. Ihr Vater zählt beispielsweise zu den Leidenschaftlichen, die es schaffen, die vermeintlich toten Artefakte aus der schillernden Vergangenheit der Stadt zum Leben zu erwecken: „Mein Papa hat deswegen angefangen, Geschichte zu studieren, weil er von der ersten Sekunde an von der Burg fasziniert war.“ Das kann sie, diese Burg: Sie kann genauso faszinieren wie die schillernde Geschichte dieser Stadt.

Ein Schmuckstück: Das Museum in Freundsberg
Das zweite Turmgeschoss ist unter anderem den Erinnerungsstücken der Schwazer Schützenkompanien und dem Tiroler Freiheitskampf gewidmet, in dessen Verlauf es im Schicksalsjahr 1809 zum Brand von Schwaz gekommen war. Einer netteren Laune dieser für Andreas Hofer so unglücklich geendeten Geschichte ist es zu verdanken, dass die Burg in den Besitz der Stadt kam. 1812, während der bayerischen Regierung in Tirol, hatte sich der damalige Bayernkönig Ludwig I. großzügig gezeigt und den ehemaligen Stammsitz der Herren von Freundsberg der Stadt Schwaz geschenkt.

Es war kein Dornröschenschlaf, den die Burg daraufhin über viele Jahre hielt. Nein, das wäre wahrlich keine passende Umschreibung für die Zustände im Gefängnis, als das das Burgverlies über Jahrzehnte diente. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg durfte die Burg wieder durchatmen. 1947 wurde im Burgfried das Museum der Stadt eingerichtet, Burg und Verlies in mehreren Etappen saniert und das Ensemble aus Burg, Turm und Kirche immer mehr zum Schmuckstück.

Wenn das Tagwerk irgendwann nach Mitternacht beendet ist und auch die letzten Helferlein Freundsberg verlassen haben, ist Burgherrin Julia allein. Mutterseelenallein. Nur die Kirchen- und Fledermäuse oder die Falken, die hier jedes Jahr ihr Nest bauen, leisten ihr Gesellschaft. „Für viele Damen wäre es vollkommen unmöglich, allein hier zu leben. Das höre ich oft. Ich habe aber überhaupt keine Angst. Null“, sagt sie. Die Burgherrin trotzt der Dunkelheit, den schummrigen Ecken, der ab und an gruseligen Stimmung im ehemaligen Gefängnis und dem Knattern und Knistern des Holzes mit einer Ruhe, die so stoisch und erhaben ist wie die Burg selbst. „Am Anfang war es schon wow, eine Kirche im Haushalt zu haben. Es ist auch viel Getier hier. Doch so seit zwei Jahren ist die Burg richtig mein Dahoam geworden. Es ist herrlich, ganz wunderbar.“ Es fällt federleicht, das zu glauben.

Die Altstadt Schwaz

In der Schwazer Altstadt ist die Franz-Josef-Strasse das Zentrum, sehenswert die vierschiffige Kirche, die Burg Freundsberg, der Kreuzgang.

Stadtführung Schwaz

Neben den schönsten Plätzen in der Altstadt Schwaz sieht man den Gewölbekeller und den bemerkenswerten hölzernen Dachstuhl der Kirche

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